Ein globaler Hörsaal für Waldorfpädagogik
Prof. Dr. Jost Schieren im Kurz-Interview über das Projekt „Internationaler Waldorfcampus“ der Alanus Hochschule.

Sebastian Knust: Der internationale Waldorfcampus ist eine digitale Vorlesungsreihe, die Sie für ein globales Publikum ins Leben gerufen haben. Welche Ziele verfolgen Sie mit den Veranstaltungen?
Jost Schieren: Die Idee dazu kam in der Corona-Zeit. Die Lehrveranstaltungen an der Alanus Hochschule sind alle nur über Zoom gelaufen. Das hat natürlich viele Einschränkungen mit sich gebracht. Zum anderen aber bietet dieses Format einen vergleichsweise niedrigschwelligen Einstieg. Ich konnte relativ leicht Seminare beispielsweise auch in Indien und in den USA anbieten. Das Besondere der Waldorfpädaogik ist ja auch ihre Internationalität. Sie ist wirklich weltweit vernetzt. Das brachte mich auf die Idee, dass man in der Kooperation aller Waldorfausbildungsseminare einen globalen Hörsaal schaffen kann, wo Lehrende und Studierende, aber auch tätige Waldorflehrer:innen, Eltern und andere Interessierte zusammenkommen können. Das Ziel ist, dass gerade junge Menschen in der Ausbildung einen Eindruck von der internationalen Kraft der Waldorfpädagogik bekommen und sich vernetzen können.
SK: Welche inhaltlichen Themen werden Sie in der Reihe behandeln, was ist das besondere daran?
JS: Das Thema der Ringvorlesung wurde zum Einstieg relativ allgemein gewählt: „Core Values in Waldorfeducation“, so können alle Dozent:innen aus den verschiedenen Ausbildungsstätten ihr jeweiliges Forschungs- und Lehrgebiet in der Waldorfpädagogik vorstellen. Wir wollen diese Veranstaltungsform in jedem Herbstsemester anbieten und werden dann themenfokussierter vorgehen.
SK: Wie ist das Projekt angelaufen, auf welche Resonanz stößt es?
JS: Die Resonanz ist ganz phantastisch. Es haben sich in kurzer Zeit über 1.400 Teilnehmer:innen auf der Website (www.international-campus-waldorf.com) registriert. An den einzelnen Vorträgen nehmen dienstagsabends von 19.00 bis 20.30 Uhr (CET) jeweils zwischen 150 und 300 Menschen teil. Die Aufzeichnungen der Beiträge werden anschließend als Videos online gestellt und es sind vor allem Menschen aus dem asiatischen Raum, die wegen der Zeitverschiebung dann die Videos nachträglich downloaden. Es ist besonders schön, dass es nach jedem Beitrag immer auch eine intensive Aussprache gibt. Die Atmosphäre ist trotz des spröden Mediums persönlich und inspiriert. Die Veranstaltung läuft in diesem Jahr noch bis einschließlich 14. Dezember 2021.
SK: Vielen Dank für das Interview.
Prof. Dr. Jost Schieren | Professor für Schulpädagogik mit dem Schwerpunkt Waldorfpädagogik an der Alanus Hochschule und Dekan des Fachbereiches Bildungswissenschaft